1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Andreas Gruber - Northern Gothic

Dieses Thema im Forum "Rezensionen" wurde erstellt von infernus, 15. Januar 2017.

  1. infernus

    infernus Member Aktivist

    Es handelt sich um eine Sammlung von 13 Horror-Shortstories, erschienen 2015 im kleinen Luzifer Verlag. Die Geschichten haben teils schon einige Jahre auf dem Buckel und sind bis auf eine bereits vorher an anderer Stelle veröffentlicht worden. Viele wurde nochmals überarbeitet.
    Das dieses Buch trotz Grubers Bestsellern im Bereich Thriller dort erschienen ist, verwundert zunächst, erklärt sich aber ganz gut, wenn man sich mal durchhört. Er hätte das Ding bei Goldmann wohl nicht durchbekommen.

    Zum handwerklichen und meiner Vorgeschichte mit Gruber (beeinflußt einen ja auch immer etwas):

    Die Sprecher (Hans Jürgen Stockerl und Friederike Ott) sind wirklich gut, ohne von den Socken zu hauen, der Schreibstil von Gruber ist auch nicht schlecht. Gruber kannte ich bis dato von einem der neuen Thriller (habe ich aufgegeben, war mir zu blöd von den Charakteren her, hat sich aber super verkauft, von daher wohl einfach nicht mein Geschmack), sowie von seinem Erstlingsroman "Der Judasschrein" und "Das Eulentor". Den beiden fehlte zwar etwas die charakterliche Tiefe, aber gerade der Judasschrein ist wirklich erste Sahne deutschsprachiger Horror, das Eulentor war von der Thematik super, hat wirklich Spaß gemacht. Für Phantastik/Horrofreunde würde ich beide wärmstens empfehlen.

    Zu den einzelnen Erzählungen:

    Vorwort:
    Ist eine echt gute Idee, mal was neues. Leider wie vieles ab der Mitte durchschaubar, trotzdem guter Einstieg.

    "Schießerei am O.K. Corral": Eine Zombiegeschichte mit historisch (vermutlich korrektem) Hintergrund. Allein der Sinn dahinter ist mir entgangen. Idee gut, Umsetzung schwach.

    "Wirklich böse Sachen": 3 Jungs spielen der alten Nachbarin einen Streich. Die Dinge zeigen sich anders, als die Jungs glaubten. - Für Kinder bis 12 sicher gruselig, für alle anderen öde und vorhersehbar, zumal Gruber im Vorwort selbst einen unglaublichen Plottwist ankündigt (den sein damaliger Redakteur aber genauso voraussah wie der geübte Leser/Hörer).

    "Seit wann trinken Katzen Whisky?": Female Revenge Story, die Idee wie sie es macht ist von der Idee her super, aber ansonsten inkl. der Umstände alles andere als realistisch.

    "Glauben Sie mir, mein Name ist Dr. Watson!": Eine der besten, vllt. die beste Story. Wer aufmerksam ist und die Weltliteratur kennt, dem fällt sofort einiges auf, ansonsten Steampunk und Phantastik vermischt mit einem kaputten, gealterten Holmes mit netter Pointe. Mal was anderes, sehr gut Gruber.

    "Bruegels Turmbau zu Babel": Hat fast was vom (guten) King, evtl. hat Gruber da bei dessen Geschichte N. ein wenig reingelinst (will ich aber nicht behaupten). Allein die Handlung ergibt wenig und der Schluss überhaupt keinen Sinn für mich.

    "Klinik": Noch mal super, ich liebe ja diese "Ein-Satz-Kapitel". Gruber kündigt diese Geschichte als xmal entschärft an, die Urversion würde mich daher interessieren. Auch hier fehlt wieder das "warum", bei der kürze von nur ein paar Minuten fällt das wieder nicht mehr ins Gewicht.

    "Ristorante Mystico": Diese Geschichte hat hier in der Sammlung eigentlich nix verloren, vermutlich mag Gruber Andrew Vacchs. Ging so, muss man aber nicht haben.

    "Das Bahnwärterhaus": Stammt wohl aus einer Anthologie für Jugendliche, so kommt es auch rüber. Schwaches Ding, absolut vorhersehbar.

    "Der Schatten von Norgath": Jesses, was war das denn? Lower Fantasykitsch, Robert E. Howard würde sich im Grabe umdrehen. Laut Gruber die einzige Fantasygeschichte, die er je geschrieben hat. Zum Glück.

    "Wie ein Lichtschein unter der Tür": Hier wirds noch mal dreckig, wie immer aber leider auch vorhersehbar. Trotzdem grundsolide und von der Thematik her auch mal wieder nichts von der Stange.

    "Rue de la Tonnellerie": Wagner, Poe, Balzac... war nix. Auch die Idee dahinter ist nix neues.

    "Die scharfe Kante des Geodreiecks": Jede Menge Zahlen, anstrengend zu hören und ohne wirklichen Sinn. Von Gruber als Mindfuck angepriesen (und noch was von David Lynch und Cronenbergfilmen erzählt), war diese Geschichte einfach nur schwer zu greifen (sollte sie wohl auch sein).

    "Northern Gothic": Die Namensgebende Geschichte und laut Gruber seine beste. Teile ich nicht, diese Meinung. So ein bissl Hinterwäldlerhorror meets Hardboildedetective. Extrem viele Zufälle und Unlogiken, scheint schlecht recherchiert. Das Ende ist vollkommen "HÄÄÄÄÄÄÄÄÄ?"

    Achtung Spoiler:
    Der Protagonist läuft vor einer Horde fackelschwingender Inzestmonster, mit einer verletzten Frau die sich nicht auf den Beinen halten kann weg, landet durch Zufall genau bei seinem Auto, fackelt das Ding an und... ...in der nächsten Szene sind die beiden gerettet. Wie? Keine Ahnung...
    Ende Spoiler


    Fazit:
    Spart euch die Zeit, wenn ihr eingefleischte Genrefans seid. Klinik, wie ein Lichtschein unter der Tür und Mein Name ist Dr. Watson sind wirklich hörenswert, der Rest war für mich einfach nur schwach. Man meint, man liest oder hört sich durch einen Anthologie von Amateurschreibern in einem Fanzine. Und selbst da gibt es oftmals besserers...
     
    MonaLisa gefällt das.
  2. Ramneck

    Ramneck New Member Aktivist

    Danke für dein Fazit, klang am Anfang sehr spannend. Doch ich höre auf dich und spar mir die Zeit. :wink:
     
  3. Lausi

    Lausi New Member Aktivist

    Manchmal überdreht Andreas Gruber. Siehe z.B. "Das Eulen-Tor". Aber wem es gefällt...
     
  4. Xyron

    Xyron New Member Aktivist

    Hab das HB erst vor einigen Tagen entdeckt und werde es also lieber nicht hören - danke!
     
  5. Annawnc

    Annawnc New Member Aktivist

    Und ich dachte alles von Gruber wäre tollseine Krimis sind spitze, habe gerade Todereigen verschlungen